Ich war mal wieder auf der Suche nach einer neuen Netzwerkkamera  für unser Wohnzimmer. Nicht etwa weil ich irgendwie paranoid oder dergleichen bin. Nein, einfach weil IP Cams verdammt praktisch sind, gerade wenn man Haustiere hat.

Eigentlich war ich bis jetzt mit der kekoon IP Cam ziemlich zufrieden. Zumindest bis vor einigen Wochen. Der Hersteller hat irgendwie unbemerkt ein Update ausgerollt. Seit diesem Update ist die Kamera ständig mit dem Internet verbunden. Früher musste ich mich noch per VPN mit unserem Heimnetzwerk verbinden und konnte erst dann auf die Kamera zugreifen. Mittlerweile aber funktioniert das Ganze auch ohne VPN. Selbst ein Passwort ist nicht mehr zwingend nötig. Das vereinfacht den Zugriff zwar ungemein, aber wirklich sicher ist das Ganze auch nicht. Speziell, da es sich hierbei um ein relativ günstiges Modell eines unbekannten chinesischen Herstellers handelt bezweifle ich irgendwie, dass das Thema Serversicherheit bei denen groß geschrieben wird.

Ich habe aus Spaß mal den Internetzugriff der Kamera im Heimnetzwerk komplett blockiert. Aber selbst da kommunizierte sie noch mit irgendwelchen Servern in Singapur und China.

Von diesem Moment an stand fest, eine Alternative muss her.

Nach längerer Recherche bin ich dann über die NC450 von der Firma TP-Link gestolpert. TP-Link ist zumindest schon mal ein Name, den man mit Netzwerktechnik verbindet. Erst vor einigen Wochen hatte ich im Zuge meines Smart Homes die WiFi Steckdosen von TP-Link im Test. Also Grund genug, sich auch mal deren IP Cams anzugucken.

NC450 v. 2.0

Bei der NC450 handelt es sich um eine HD (720p) IP Kamera aus dem Hause TP-Link. Die Kamera funktioniert sowohl im LAN, als auch im WLAN.  Bei meinem Model handelt es sich um die Version 2.0. In wie weit sich diese jetzt im Detail von dem Vorgängermodell unterscheidet kann ich leider nicht beantworten. Aufgefallen ist mir nur, dass der Winkel(Version 1:  300°, 110°), der mit der Kamera abgedeckt werden kann, deutlich zugenommen hat und somit nahezu eine Rundumsicht möglich ist.

Entgegen meiner Behauptung. Das gute Stück gibt es nur in weiß! Sorry für die Fehlinformation! Aber wer weiß, vielleicht denkt TP-Link ja mal über eine schwarze Version nach – dann stimmt zumindest meine Aussage wieder!

Design

Viele werden jetzt sagen, es kommt nicht drauf an, ob eine IP Kamera gut aussieht, sondern nur, dass sie ordnungsmäßig funktioniert. Jaein, ich meine ich nutze die Kamera ja nicht in erster Linie als Überwachungskamera um für zusätzliche Sicherheit zu sorgen. Bei uns daheim ist es eher eine Spielerei um den Hund im Auge zu behalten. Da will ich mir natürlich keinen hässlichen grauen Klotz in die Ecke stellen, sondern etwas modernes, eher Unscheinbares.

TP-Link hat hier ganze Arbeit geleistet. Die Kamera macht optisch eine richtig gute Figur. Bei uns z.B. steht sie einfach in einem Bücherregal und fällt dort gar nicht weiter groß auf. Auch da TP-Link einem die Möglichkeit bietet, die Status LED zu deaktivieren.

An dieser Stelle noch ein kleiner Nachtrag zum Video: Die Kamera gibt es aktuell nur in weiß! Da muss ich wohl etwas durcheinander gewürfelt haben.

Verbindung

Wie schon erwähnt, könnt ihr die Kamera sowohl im WLAN, als auch im LAN verwenden. Netterweise liefert TP-Link für den Einsatz als WiFi Kamera ein Verlängerungskabel für das Netzteil gleich mit, bzw. für die Verwendung als LAN Kamera einen passenden Splitter, so dass ihr die Kamera mit Hilfe eines POE LAN Kabels sowohl mit dem Netzwerk verbinden, als auch mit Strom versorgen könnt. Hier hat TP-Link wirklich mal mitgedacht. Klasse Idee, auch weil sich Netzwerkkabel ohne Probleme mal mehrere Hundert Meter im Haus verlegen lassen, bei Stromkabeln wäre das prinzipiell auch möglich, würde aber auch Mehraufwand in Form von Adaptern und Verlängerungskabeln bedeuten.

Schwenkfunktion

Ähnlich wie die kekoon, ist auch die NC450 schwenkbar, in der Horizontalen sogar um 360° und in der Vertikalen immerhin um bis zu 150°. Das war mir besonders wichtig, da sich der Hund natürlich auch mal bewegt. Zugegeben, die meiste Zeit verbringt sie auf dem Sofa, oder in ihrem dezenten 140x100cm Hundebett, die Betonung liegt hier auf dezent.  Aber wenn wir nicht daheim sind, dann setzt sie sich auch gerne mal an den Esstisch auf einen der Stühle und guckt, was es denn dort so zu knabbern gibt. Zwar hilft die Schwenkfunktion nicht gerade, um zu verhindern, dass Madam sich über die Maronen vom Weihnachtsmarkt, oder das Brötchen vom Frühstück, was in der Eile des Gefechts nicht weggeräumt wurde, genüsslich hermacht, aber immerhin hat man einen guten Blickwinkel und kann Madam aus der Ferne dabei beobachten – haha.

Kommunikation

Man kann den Hund zwar nicht direkt daran hindern, aber dank Zwei-Wege Kommunikation kann man über die Kamera mit dem Hund kommunizieren. Oder mit der Freundin, oder mit dem Einbrecher, oder wer sonst gerade so im Wohnzimmer steht. Nichts was man zwingend braucht, aber die Funktion gehört sicherlich zu den nice-to-have Features.

Nachtsichtmodus

Ebenfalls ziemlich praktisch ist der Nachtsichtmodus. Diesen kann man entweder manuell aktivieren, oder lässt die Kamera je nach Umgebungslicht automatisch umschalten.

Wir lassen zwar, wenn wir unterwegs sind, meist die Stehlampe im Wohnzimmer an, bzw. könnten auch bei Bedarf per Hue App die Lampen in der Wohnung an/aus schalten, aber dennoch ist so eine Funktion ganz nützlich. Wenn man vielleicht mal gucken möchte, ob alles in Ordnung ist und gerade selbst vielleicht im Urlaub ist, oder wenn man die Kamera direkt selbst als Überwachungskamera benutzt.

Da bei dem Nachtsichtmodus, wie eigentlich bei allen Überwachungskameras IR LEDs zum Einsatz kommen, macht die Kamera sich natürlich durch einen leuchtenden Kranz um die Linse bemerkbar, egal ob die Status LED an oder aus geschaltet ist – das fällt natürlich im abgedunkelten Raum auf.

Die Meisten wird das jetzt nicht unbedingt stören, sollte aber vielleicht an dieser Stelle erwähnt sein. Wen es extrem stört, der kann das automatische Switchen des Kameramodus ja deaktivieren und die IR Funktion nur bei Bedarf aktivieren.

Alarm/Sicherung

Dank integriertem Bewegungsmelder, bzw. akustischer Überwachung, kann die NC450 ohne weiteres als Überwachungskamera eingesetzt werden. Wirklich praktisch finde ich hierbei den Bewegungsmelder, da dieser nicht jede noch so kleine Bewegung im Raum erfasst, sondern ziemlich akkurat konfiguriert werden kann. Ich habe den Bewegungsmelder z.B. nur auf das obere Drittel der Gartentür gerichtet, denn sonst würde ich wohl ständig Benachrichtigt werden, wenn der Hund durchs Wohnzimmer schlendert. Die Benachrichtigungen erfolgen entweder per Push Dienst, oder per email.

Es besteht auch die Möglichkeit aufgenommene Videos entweder auf einer MicroSD Karte abzuspeichern, oder auf einen eigenen FTP Server hochzuladen.

Fernzugriff

App

Wie bei der Kasa App für die Steckdosen, kann man sich auch bei dieser App entscheiden, ob man seine Kamera nur lokal verwalten möchte, oder eben per Fernzugriff übers Internet. Die Kommunikation läuft hierbei über TP-Link Server. Für die Fernverwaltung ist lediglich ein TP-Link Cloud Account nötig. Wer sich für die Steckdosen in der Kasa App schon einen Account eingerichtet hat, der kann diesen hier ebenfalls verwenden.

Die App ist relativ simpel und tut was sie soll – zumindest meistens. Ab und an kann es aber auch sein, dass die Fernverwaltung entweder überhaupt nicht mehr funktioniert, oder mit einigen Aussetzern zu kämpfen hat.

Ihr habt die Möglichkeit die Kamera zu schwenken, bzw. den Bildschirmausschnitt zu vergrößern. Zusätzlich besteht die Möglichkeit mit der App Foto- bzw. Videoaufnahmen zu erstellen. Diese werden direkt auf dem Smartphone gespeichert.

Wer mit der hauseigenen tpCamera App nicht zurechtkommt, für den gibt es aber auch die ein oder andere kostenlose Alternative im App Store.

TP-Link Cloud

Über die TP-Link Cloud https://www.tplinkcloud.com/ könnt ihr euch auch ohne App direkt über den Browser mit eurer Kamera verbinden und nach dem Rechten schauen.

Ähnlich wie bei der App, stellt sich mir die Frage, warum man nicht sämtliche TP-Link Geräte auf einer Seite bzw. in einem Webinterface kombiniert. Ich persönlich fände es praktisch, wenn ich mich nur einmal einloggen müsste und dann Zugriff auf alle meine netzwerkfähigen Geräte von TP-Link habe.

Einrichten

Montage

Wer die Kamera nicht wie ich einfach ins Regal oder auf einen Schrank stellen möchte, der kann sie auch mit der mitgelieferten Halterung an einer Wand oder an der Decke aufhängen. Hier macht sich dann der weite Winkel zum Rotieren wirklich bezahlbar. Eine Schablone und die passenden Dübel gibt es gleich mit dazu.

Installation

Die Installation geht leicht von der Hand. Wenn man die Kamera per LAN Kabel betreiben möchte, muss man eigentlich nichts weiter tun, als sie mit einem LAN Kabel und Strom, bzw. einem POE LAN Kabel an dem Aufstellungsort anzuschließen. Möchte man die Kamera hingegen im WLAN betreiben muss sie zunächst dennoch per LAN Kabel mit dem Heimnetzwerk verbunden werden. Nachdem ihr dann mit Hilfe der App das WLAN Netzwerk ausgewählt und euer Passwort eingegeben habt, verbindet sich die Kamera von nun an per WLAN.

Sollte euer Rooter über einen WPS Button verfügen und in der Nähe sein, könnt ihr die IP Cam auch bequem per WPS verbinden.

Konfiguration

Die Kamera funktioniert zwar ziemlich out-of-the-box, aber die richtige Konfiguration der Kamera funktioniert leider nur per Webinterface. Dafür ruft ihr einfach die IP der Kamera in einem Browser auf.  IM Zweifel müsstet ihr hier einmal in eurem Rooter nachschauen, welche IP er der Cam zugeordnet hat (Natürlich DHCP vorausgesetzt)

Über das Webinterface könnt ihr nun eine statische IP vergeben, die Kamera mit eurem TP-Link Account verknüpfen, den Bewegungsmelder einstellen und vieles mehr.

Generell wirkt das Webinterface sehr sauber und übersichtlich gestaltet. Aber gerade für weniger versierte User stelle ich es mir ein wenig schwer vor, hier alles vernünftig zu konfigurieren.

Synology Surveillance Station

Da ich selbst ein Synology NAS daheim im Einsatz habe, war für mich natürlich auch interessant, ob die NC450 ohne Probleme mit der Surveillance Station zusammen arbeitet.

Dem ist leider nicht so. TP-Link gehört zwar zu den unterstützen Herstellern, aber das NC450 Modell taucht in der Liste derzeit noch nicht auf.

Schade eigentlich, denn mit Hilfe der Surveillance Station könnte man ohne Probleme die Videoaufnahmen auf dem Synology NAS speichern.

Da die Liste der unterstützten Hersteller aber immer mal von Seiten Synologys geupdatet wird, bleibt nur abzuwarten und zu hoffen, dass die NC450 in nächster Zeit auch unterstützt wird.

Ich werde euch diesbezüglich auf jeden Fall auf dem Laufenden halten. Oder ggf. an einem Work-around arbeiten. Ich könnte mir z.B. gut vorstellen, dass man ein wenig mithilfe eines eigenen FTP Servers auf der DiskStation, zumindest die Videoaufnahmen dort ablegen kann.

Video Qualität

Je nach Einstellung zeichnet die NC450 in HD auf, soll heißen, mit einer Auflösung von 720p – kein Full HD. Für die Heimüberwachung reicht das alle Male mehr als aus. Je nach Bandbreite lässt sich das Videosignal, welches gestreamt wird, auch runterregulieren.

Zur besseren Übersicht habe ich mal ein kurzes Beispielvideo hochgeladen. Nicht wundern die Kamera steht hierbei auf dem Tisch, nicht im Regal – einfach aus dem Grund, damit ihr einen besseren Eindruck von der Schwenkfunktion habt, bzw. der Qualität beim Schwenken. Denn Das Regal ist von innen wohl eher weniger spannend. Guckt mal genau hin, wer es sich gerade auf dem Sofa bequem machen will!

In meinen Augen völlig ausreichend für eine Überwachungskamera, man erkennt alles klar und deutlich und hat sogar noch die Möglichkeit zu zoomen.

Klar ist das Videomaterial leicht verpixelt, aber nur in der Bewegung. Sollte also wohl niemanden wundern – wen es stört, der kann die gesamte Auflösung runterregeln und die FPS hoch setzten, …

Tipp

Zu guter Letzt noch ein kleiner Tipp von meiner Seite. Ich habe ja vor einiger Zeit die WiFi Steckdosen von TP-Link vorgestellt. Diese lassen sich in meinen Augen perfekt mit der NC450 Kamera kombinieren. Wer nicht auf eine lückenlose permanente Überwachung angewiesen ist, sondern nur ab und an mal nach dem Rechten gucken möchte, der kann seine Überwachungskamera so bei Bedarf an-, bzw. auch wieder ausschalten.  Das spart im Zweifel nicht nur Strom, sondern dient auch dem Schutz der Privatsphäre. Ich meine wer hat schon gerne rund um die Uhr eine Kamera im Wohnzimmer laufen.

Fazit

Wer auf der Suche nach einer zuverlässigen und preisgünstigen Netzwerkkamera ist, der kommt an der TP-Link WiFi Kamera nicht vorbei. Für knapp 100€ bekommt man solide Technik in einem optisch ansprechenden Gehäuse – was will man mehr. Klare Kaufempfehlung!

Derzeit gibt es die NC450 sogar schon für 92€ bei amazon.

Überblick der Rezensionen
Design
Funktionen
Usability
Zubehör
Preis/Leistung
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veit
Ich heiße Veit, bin 28 Jahre alt und studiere derzeit Wirtschaft und Chinesisch an der FU Berlin. Neben meinem Studium arbeite ich als Freelancer im Bereich Online Marketing/SEO, bzw. als Werkstudent im Marketing/Management.

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